Voraussetzungen

Die Voraussetzungen für eine doppelte Haushaltsführung sind:

1. Eigener Hausstand am heimischen Wohnort

Der eigene Hausstand am heimischen Wohnort setzt folgende drei Bedingungen voraus:

Ein eigener Hausstand liegt nur dann vor, sofern alle drei Bedingungen gleichzeitig erfüllt werden.

1.1. Hauptwohnung

Bei der Hauptwohnung muss es sich um eine eigenständige Wohnung handeln, die der Arbeitnehmer aus eigenem Recht als Eigentümer oder Mieter nutzt. Ein gemeinsames oder abgeleitetes Nutzungsrecht mittels Ehegatte, Lebenspartner oder Mitbewohner ist ebenfalls zulässig, wird aber von der Finanzverwaltung erfahrungsgemäß sehr streng abgeprüft.

Ob die bisherige BFH-Rechtsprechung hinsichtlich einer Wohngemeinschaft mit Eltern (Stichwort "Mehrgenerationenhaushalt") auch künftig Bestand haben wird, ist derzeit noch unklar. Nach unserer Meinung kann nur dann ein eigener Hausstand mit den Eltern begründet werden, sofern ein gleichberechtigtes "haushalten" mit dem Eltern vorliegen sollte (= auf gleicher Augenhöhe, demnach kein Ober-/Unterordnungsverhältnis).

1.2. Kostenbeteiligung an der Haushaltsführung für die Hauptwohnung

Als zweite Voraussetzung für den eigenen Hausstand kommt nun das Merkmal der Kostenbeteiligung an der Haushaltsführung für die Hauptwohnung hinzu.

Die finanzielle Beteiligung an den Kosten der Haushaltsführung ist darzulegen und kann auch bei volljährigen Arbeitnehmern, die bei ihren Eltern wohnen, nicht generell unterstellt werden. Durch diese Neuregelung ab 2014 ist die bis dato anders lautende Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs endgültig überholt. Eine finanzielle Beteiligung an den Kosten der Haushaltsführung mit Bagatellbeträgen ist nicht ausreichend. Beträgt die Kostenbeteiligung des Arbeitsnehmers mehr als 10 Prozent der monatlich regelmäßig anfallenden laufenden Kosten der Haushaltsführung (z. B. Miete, Mietnebenkosten, Kosten für Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs) ist von einer finanziellen Beteiligung oberhalb der Bagatellgrenze auszugehen.

Lediglich verheiratete Arbeitnehmer (Lohnsteuerklasse III, IV oder V), die gemeinsam mit dem Ehegatten eine Wohnung bezogen haben, sind von der Nachweisführung der finanziellen Beteiligung befreit.

1.3. Mittelpunkt der Lebensinteressen in der Hauptwohnung

Der Mittelpunkt der Lebensinteressen muss sich zwingend in der Hauptwohnung am heimischen Wohnort befinden, um die doppelte Haushaltsführung zu rechtfertigen.

Bei einem verheirateten Arbeitnehmer ist der Mittelpunkt der Lebensinteressen dort, wo der Ehepartner bzw. die Familie wohnt.

Bei ledigen Arbeitnehmern befindet sich der Mittelpunkt der Lebensinteressen an dem Wohnort, zu dem die engeren persönlichen Beziehungen bestehen. Die persönlichen Be­ziehungen können ihren Ausdruck besonders in Bindungen an Personen, z. B. Eltern, Ver­lobte, Freundes- und Be­kanntenkreis, finden, aber auch in Vereinszugehörigkeiten und anderen Aktivitäten.

Wichtig: Gerade bei ledigen Arbeitnehmer setzt die Finanzverwaltung hier oft den Hebel an. Wird nämlich der Lebensmittelpunkt der Zweitwohnung zugeordnet, führt dies zum vollständigen Verlust der möglichen Steuererstattung.

2. Zweitwohnung

Als Zweitwohnung am auswärtigen Beschäftigungsort kommt jede dem Arbeitnehmer entgeltlich oder unentgeltlich zur Verfügung stehende Unterkunft in Betracht. Neben der klassischen Mietswohnung kommen hier z. B. auch eine Eigentumswohnung, ein möb­liertes Zimmer, ein für einen längeren Zeitraum gebuchtes Hotelzimmer oder bei Solda­ten die Unterkunft in der Ka­serne in Betracht.

Das Beziehen der Zweitwohnung muss durch die berufliche Beschäftigung ver­anlasst sein. Die Zweitwohnung muss sich dabei in der Nähe zum Beschäftigungsort befinden, (grundsätzlich) maximal bis zur Hälfte der Entfernung zwischen der Hauptwohnung und dem Beschäftigungsort. Beispiel: Die Entfernung zwischen der Hauptwohnung und dem Beschäftigungsort beträgt 120 km. Die Zweitwohnung darf sich (grundsätzlich) bis zu 60 km vom Beschäftigungsort entfernt befinden.

Eine beruflich veranlasste doppelte Haushaltsführung liegt auch dann vor, wenn der Lebensmittelpunkt aus privaten Gründen vom Beschäftigungsort wegverlegt wird und die bisherige Woh­nung am Beschäfti­gungsort aus beruflichen Gründen als Zweitwohnung genutzt wird (sog. Wegverlegungsfälle).

Hinsichtlich der Thematik "Zweitwohnsitzsteuer" verweisen wir auf folgende hilfreiche Website: www.zweitwohnsitzsteuer.de